Archiv für Januar 2009

Überfall

30. Januar 2009

In der Wohnung unter mir sind übers Wochenende 20 männliche Jugendliche aus einer Kleinstadt nördlich von Atlanta eingefallen, ein Bus hat sie ausgespuckt; sie tragen ordentliche Kleider, sind freundlich, einige davon recht dick. Die Wohnung hat, genau wie meine, drei Zimmer, die sind zwar groß und es stehen eine Menge Betten rum.

Aber: 20 pubertierende Jungs!

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Sowieso ist die ganze Innenstadt voll mit ihnen. Sie singen. In der Kirche natürlich. Ich habe sie üben gehört, es ist ein munterer, glockenheller Kirchenjugendgesangswettbewerb. Das mit Gott und Amerika ist schon eine eigentümliche Sache (da fällt mir ein: ich muss mich dringend um die Church-of-the-Flying-Spaghetti-Monster-Aufkleber kümmern). 

Savannah hat rund 128.000 Einwohner und folgende Kirchen:

6 Apostolic Churches, 6 Assembly of God, 138 Baptist Churches, 1 Bible Church, 2 Calvary Churches, 10 Catholic Churches, 6 Christian Churches, 16 Churches of Christ, 24 Churches of God, 1 Congregational, 9 Episcopal, 10 Lutheran Churches, 35 Methodist Churches, 3 Nazarene Churches, 28 Non-Denominational, 1 Orthodox Church, 2 Pentecoastal, 16 Presbyterian, 3 Sevent Day Adventist, 1 Vineyard Church, 21 Other Churches

Wenn man bedenkt, dass es 10 katholische Kirchen und 329 in irgendeiner Form geartete protestantische und evangelikale Kirchen gibt, kann man nur sagen: die Protestanten waren verdammt fleißig. 

P.S. Kann mir jemand erklären, was eine Vineyard Church ist? 

Scoop!

30. Januar 2009

Laut Wikipedia ist ein Scoop:

1. eine exklusive Meldung im Journalismus, siehe Scoop

2. ein Album von Pete Townshend, siehe Scoop (Pete Townshend)

3. eine kanadische Fernsehserie, siehe Scoop – Die Aufreißer

4. ein Film von und mit Woody Allen, siehe Scoop – Der Knüller

5. ein Roman von Evelyn Waugh von 1938, siehe Scoop (Roman)

6. ein Synonym für eine Lufthutze in einer Motorhaube

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Ich stehe also etwas hilflos vor diesem Schild, das in der Stadt hundertfach anzutreffen ist, immer auf Pfeilern, oft im Gebüsch, und frage mich: was meinen die bloß damit? Nicht, dass ich wüsste, was eine Lufthutze (Punkt 6) ist, aber alles andere kann es ja nicht sein, als Medientante sind mir vor allem Punkt 1 und 4 bekannt. Ist es ein Ort, an dem Rüden das Bein heben dürfen, nein, müssen? Was hat es mit dem eleganten Frauenschuh auf sich, Aufruf zum Aufriss (Punkt 3), Straßenstrich mit Hund gar?

Imke weiß mehr. Das Schild bedeutet: Hundekot aufheben! Ich schaue im Lexikon nach und tatsächlich, da steht unter „scoop“: zuvorkommen, gewinnen, eine Kugel Eis, schaufeln, schöpfen, Baggereimer, aushöhlen, ausgraben, Geld scheffeln, Knüller, sensationelle Erstmeldung.

Scoop, ein vielfältiges Wort.

Warum zeigen sie dann nicht eine Schaufel? Eine geringeltes Kothäuflein? Sind sie dafür zu verschämt? Wahrscheinlich, denn hier sagen sie auch nicht, der Hund müsse mal, oder er müsse kacken, “äs gaggi“ oder einen Haufen machen. Nein, sie sagen (auf der Wiese, im offenen Feld, im Wald!) tatsächlich: „he has to go to the bathroom“! TO THE BATHROOM! Also wirklich. 

Aus dem Jammertal hinaus

29. Januar 2009

Da jammere ich seit Tagen, es stellten sich diese Gefühle der Sehnsucht, der Freiheit, der alles überwältigenden Einsamkeit nicht mehr ein, die doch Sinn und Zweck des Reisens, meines Reisens sind. Ich jammere, ich sei alt geworden, es sei eintönig, kein Rauschzustand komme auf, ich sei eingebettet und nicht losgelöst, schöne Landschaften, angenehme Erlebnisse mit Mitmenschen, gewiss, aber eben nicht das ultimative Erleben von Ferne, das einem die Tränen in die Augen treibt, weil es ein unvermutetes Dahinter geben könnte, einen Aufbruch in etwas Neues, weil man sich fremd fühlt und ganz klein. Ich jammere also, studiere Landkarten, ob es denn sinnvoll wäre, mich gen Westen aufzumachen, zu den Canyons, den Schluchten, das Autoradio an, Tausende von Meilen vor mir. Doch auch dies, so denke ich, habe ich bereits mehrmals getan, und auch dies wäre nur ein Abklatsch des Früheren. Und dann, mitten in diese trüben Gedanke verstrickt, mit dem Hund am Savannah River spazierend, was geschieht? Ein ordinäres Containerschiff läuft aus und mein Herz schlägt schneller. Kein Mensch ist darauf zu sehen, aber ich weiß, wie es riecht, wie sich das Holz der Reling in den Händen anfühlt und wie die Löcher der Metallstufen unter den Füßen, wie der Wind pfeift, wie der Lotse verabschiedet wird, zurück fährt in den Hafen, während für das Containerschiff nur noch die offene See zählt. Häfen kommen mir in den Sinn, Kapitäne, die abgehalfterte MS Damaskus, die geliebte, dicke MS Bremen, Lärm und Hitze im Maschinenraum, der Duft der See, das Abendlicht beim Einlaufen in Istanbul, der Glanz der Moscheen, der laue Wind frühmorgens am Äquator, der Sturm vor Schottland, stumme Stunden nachts auf der Brücke, Auslaufen, Einlaufen, immer wieder, immer weiter, ich liebe Schiffe, ich liebe große Schiffe. Es ist da, das Gefühl, es gibt es noch, wie wunderbar. 

 

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Sentimenti

28. Januar 2009

Eine langjährige Freundin schickte mir dieses Video. Sie meinte, sie sei so wahnsinnig sentimental zur Zeit und würde sich am liebsten nur in ihrem Zimmer einschließen und diese Musik hören.

Es passt zu meinem Aufenthaltsort, wegen der Bibelzitate einerseits (die Kirche ist hier wirklich allgegenwärtig), weil einem in den Südstaaten aber auch so klar wird, wie wenig wir dafür können, woher wir kommen, und wie entscheidend es doch für unser Leben ist.

4 Minuten und 36 Sekunden Melancholie also.  

Außenleben. Oder der Hunger des Alligators

27. Januar 2009

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Gestern war ich mit dem Hund auf Hilton Head Island. Der Strand ist sehr hell, sehr breit und überaus gepflegt. Kein Wunder, denn Hilton Head Island ist eine Prominenteninsel vor der Küste South Carolinas. Sie ist nicht nach Paris Hilton benannt, und auch nicht nach deren Urgroßvater Conrad Hilton (ein Norweger übrigens). Hilton Head Island verdankt ihren Namen Kapitän William Hilton (er taufte sie selber so), der 1663 von den Bermudas vorbeigesegelt kam und das Eiland für das englische Königshaus in Beschlag nahm, Ureinwohner hin oder her.

Bald schon wurden die ersten Plantagen gegründet, Zuckerrohr, Indigo und Reis. Sklaven erledigten die mühselige Arbeit. Es ist ein sumpfiges Land, Moskitos werden in den warmen Monaten zur Qual. Während des Bürgerkrieges flohen die Plantagenbesitzer vor den Truppen der Nordstaaten und ließen ihre Sklaven zurück. Mit dem Sieg des Nordens über den Süden wurden die Sklaven offiziell befreit, was aber nicht heißen sollte, dass sie ein gutes Leben erwartete. Sechs Schotten gründeten den Ku-Klux-Klan, die Hetze ging los. Auf Hilton Head Island fanden die Schwarzen jahrzehntelang Zuflucht im Dickicht und ein Auskommen in ihren Gärten.

Das ging so lange gut, bis die Brücke gebaut wurde, bis die Reichen aus dem Norden entdeckten, dass es sich im Winter hier angenehm leben lässt. Ein Paradies wurde geplant. Golfplätze, Strandvillen mit wunderbaren Veranden, ein pittoresker Hafen, gated communities, ohne Ausweis kommt keiner rein. Brückenwege führen über Schilf, überall Palmen, Magnolien, es ist zauberhaft. Ein wenig klinisch vielleicht und ziemlich abgehoben. Vor allem aber fest in weißer Hand.

Doch das Paradies hat seine Tücken, Sicherheit kann nicht immer mit Geld erkauft werden. Neulich fiel eine Bewohnerin in einen der romantischen Kanäle. Man diskutiert noch, ob sie vor Schreck einen Herzinfarkt bekam, weil sie einen Alligator sah, oder sie ob wegen des Infarkts ohnmächtig ins Wasser sank. Auf alle Fälle hatte sie einen Infarkt. Und sie wurde zu großen Teilen aufgefressen. Von dem Alligator. 

 

(Dieser Text erscheint in ähnlicher Form im Magazin Bootshandel)

Innenleben

26. Januar 2009

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Fliegende Spaghettimonster (FSM)

24. Januar 2009

Amerika besteht nicht nur aus Gläubigen, wie wir wissen. Im Gegenteil, es gibt einen Trend zum Atheismus und provokanten Aktionen. Die wildeste Religionsrichtung heißt Church of the Flying Spaghetti Monsters.

 

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Die Mitglieder nennen sich Pastafarians und zeichnen sich durch ausgesprochene Kreativität aus. Die Gemeinschaft wurde in Kansas gegründet, als Gegenreaktion zu der unter der Bush-Regierung stetig zunehmenden Anhängerschaft des Kreationismus und des Intelligent Designs.

Man kann hübsche T-Shirts mit FSM-Aufdrucken und Autoaufkleber kaufen. Ich werde mich also mal in der Stadt umsehen, ob die Monsters hier auch schon Gemeindemitglieder haben. 

Ungläubige

24. Januar 2009

Obamas Aussage in seiner Rede, die USA sei ein Land für Christen, Juden, Moslems, Hindus und Ungläubige, schlägt grad hohe Wellen, allerlei Kirchen melden sich zu Wort. Christen und Juden, ja gerne. Aber Moslems? Und vor allem: Ungläubige? Das darf nicht sein, denn IN GOD WE TRUST. Es wird sogar geunkt, dass Obama ein NONBELIEVER sei (was ich schon immer vermutet habe). Die American Atheists freut’s. 

Ich habe bei einer aol-Blitzumfrage im Internet teilgenommen.

1. Frage: Did Obama’s nonbeliever remark bother you?
Yes: 26 %
No: 74 %

2. Frage: Do you believe in a higher power?
Yes: 89 %
No: 11%

„Savannah does not disappoint!“

24. Januar 2009

Gibt es viele Kleinstädte, die wegen eines einzigen Romans berühmt geworden sind, wo die Leute hinpilgern, das Buch in der Hand, um sich den Ort des Geschehens zu vergegenwärtigen (mal abgesehen von Dublin und dem Ulysses, aber Dublin ist ja keine Kleinstadt)?

Savannah gehört dazu. Hier dreht sich vieles um einen Bestseller aus den 90er Jahren, geschrieben von John Berendt, verfilmt von Clint Eastwood:  „Midnight in the Garden of Good and Evil“. John Cusack und Kevin Spacey spielen die Hauptrollen (der Film war kein besonderer Erfolg, zu langatmig, hieß es, zu träge, also eigentlich Savannah gut treffend). Auf der Straße bin ich schon nach „der Statue aus dem Buch“ oder „dem Haus aus dem Film“ gefragt worden.

Der Roman basiert auf einer wahren Geschichte: ein alternder homosexueller Antiquitätenhändler erschießt einen Strichjungen. Ist es Mord, ist es ein Unfall? Ein Yankee-Journalist versucht der Sache auf den Grund zu gehen und lernt dabei das Südstaatenleben kennen. In „Mitternacht im Garten der Lüste“, so der deutsche Titel, geht es um das wohlhabende Savannah, dieses dekadente, schläfrige Upperclass-Milieu, in dem es von mondänen alten Frauen, irren Passanten und subversiven Transvestiten nur so wimmelt. 

Der evangelikale Silberhändler von neulich (der mit den Weltuntergangsphantasien wegen Obama) hat übrigens im Film eine Nebenrolle gespielt, einen Polizisten. Von ihm weiß ich auch, dass Kevin Spacey während der Dreharbeiten mit „der halben Stadt“ geschlafen haben soll. Spacey dementierte in einem Inteview mit dem Playboy seine angebliche Homosexualität. Der Silberhändler weiß es aber genauer: nur Männer seien das damals gewesen, und zwar viele. Wobei man dem Urteil des Silberhändlers nicht recht trauen kann, denn er behauptete auch, in seinem Heimatstaat New Mexico lebten keine Schwulen.

Wer Autor, Buch, Film und Stadt nicht kennt – anbei eine kleine Einführung: 

Venezia Bellissima

23. Januar 2009

Wer genug gelesen hat von Savannah (was ich durchaus verstehen kann), sich nach Venedig sehnt (was ich einmal wöchentlich tue) oder sich für die Mafia interessiert, der gehe doch auf den Blog von Petra Reski. Und weil Blogger einen eigenen Kosmos bilden, kann ich nur sagen: Grazie Petra.

Phobikers Alptraum

22. Januar 2009

Heute waren Lino und ich auf Fort Pulaski, einer Anlage aus dem frühen 19. Jahrhundert; zerschossene Außenseite, Wassergraben mit Alligatoren drin, Kinderscharen, kostümierte Männer, Kanonengedonnere täglich um halb 12. 

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Beim Spaziergang über den Wall und an einen Seitenlauf des Savannah River hinunter sah ich dann dieses:

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Es lässt sich vielleicht nicht genau erkennen, aber das Boot war bis auf die zwei kleinen Seitenfenster (und die Scheiben auf der Brücke natürlich) rundum komplett verschlossen. Es machte den Eindruck eines Hochsicherheitstrakts auf dem Wasser. Was das sei, fragte ich einen der Parkwächter (der in einem Golfwagen angerollt kam), es sehe so militärisch aus. Aber nein!, meinte er. Das sei ein Gambling Boat, deswegen dürfe es auch keine Fenster haben, um niemanden zu verführen, in Georgia sei das Glücksspiel nämlich nicht erlaubt.

Die fahren also tatsächlich aus der 12-Meilen-Zone hinaus aufs offene Meer, um da in einem schwankenden Kerker an den Slotmaschinen und am Roulettetisch zu spielen. How frightening, how claustrophobic!

Physik für Anfänger

21. Januar 2009

Es ist kalt. Ich hatte Imke vollgejammert, dass ich die Wohnung nicht warm kriege, weil die Wärme wegen der hohen Lüftungsgitter ja unter der Decke klebt. Ich solle den Ventilator anmachen, meinte sie. Den Ventilator? Ja klar, das wirble die Wärme nach unten, ich solle aber darauf achten, dass er auf „reverse“ stehe, die Wintereinstellung sozusagen. 

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Wintereinstellung, aha. Ich sehe nichts von „reverse“. Es hängen mehrere Kettchen vom Ventilator herunter, ich zupfe daran herum, stelle ihn an, er dreht los, gegen den Uhrzeigersinn. Ein Windlein weht. Wärmt es? Kühlt es? Ich weiß es nicht. Stelle den Ventilator wieder ab und betrachte ihn genau. Die Rotorblätter sind ein wenig geneigt. Wenn er nach links dreht, müsste die Luft eigentlich nach oben geschoben werden … oder doch eher nach unten …? Mein eh schon beschränkter physikalischer Verstand kommt schnell an seine Grenzen. Ich hoffe auf die Intelligenz meiner Vormieter und schalte alle drei Ventilatoren an. Topolino und ich verlassen das Haus. Als wir zurückkommen ist es, oh Wunder der Physik, herrlich warm. Und ich sage nie wieder etwas gegen zu hoch gesetzte Lüftungsgitter.  

Andere bloggen auch…

21. Januar 2009

Die Obama-Regierung hat seit gestern auch einen Blog. Wer von Anfang an dabei sein möchte: voilà.

Recht unterhaltsam ist auf der Homepage des Weißen Hauses die Seite „Facts and fun for all ages“. Besonders beachtenswert scheinen mir die wechselnden Haarmoden der Präsidenten: Nr. 1 (Washington) bis Nr. 15 (Buchanan) waren glatt im Gesicht, Nr. 16 (Lincoln) bis Nr. 27 (Taft) nahezu ausschließlich mit wilden Bärten oder dicken Schnauzern, ab Nr. 28 (Wilson) bis Nr. 44 (Obama) gilt dann: makellose Rasur ist ein Muss.

Inauguration, abschließender Kommentar

21. Januar 2009

Es ist doch bemerkenswert, wie euphorisch in allen Medien über den gestrigen Tag berichtet wird. Spiegel, Süddeutsche, Tagesanzeiger, die amerikanischen Fernsehkanäle, alle sind sie im Rausch. Das muss daran liegen, dass die Kommentatoren und Autoren selber in Washington waren. Ich erinnere mich gerne an den Besuch von Obama in Berlin. Es war umwerfend, es war eine Atmosphäre, wie ich sie noch nie erlebt hatte, elektrisierend. Man konnte wirklich den Eindruck gewinnen, Teil von etwas ganz Großem zu sein. Gestern aber, bei dieser wahrscheinlich wichtigsten Veranstaltung in Savannah, kam dieses Gefühl nicht mehr auf, schön war es, klar, aber nicht euphorisch. Und so wie ich die Leute beobachten konnte, setzte auch bei denen kein Rauschzustand ein. Es muss mit Obamas physischer Präsenz zu tun. Und natürlich vor allem mit dem einen, dem Verlockenden und Bedrohlichen: der Energie der Masse.

Inauguration, Teil 2

20. Januar 2009

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(Ort des Geschehens: Mercer Theater, das Theater fast voll, rote Plüschsessel, abgedunkelt, unendlich viele Handykameras, eine einzige kleine Amerikaflagge wird geschwenkt. Vorwiegend Schwarze; eine Handvoll Weiße, Händchen haltende Schwule und zwei, drei ältere Frauen, Leute von der Kunstschule)

Was mich am meisten beeindruckt hat:

1. Hüte: Männer und Frauen tragen großartige Hutkreationen, Federn, Plüsch, Fell, große Krempen, geschwungene Kappen. Kinder in Sonntagskleidung, Jugendliche mit Mützen aller Art. Alte und sehr alte Frauen mit sorgfältigem Make Up. 

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2. Oh yes! Oh, yes we will. Oh God, yes. Oh Jesus. Amen: Kollektives Summen, oft geübte Kurzrhetoriken, rhythmisches Seufzen, Gott und Jesus sind überall, man könnte denken, man sitze in der Kirche. 

3. Kaum Tränen, viel Gelächter: Die hochemotionalen Tage sind offensichtlich vorbei. Geweint wird wenig, laut gelacht, als Obama beim Eid stockt (was ja nicht sein Fehler war, sondern der seines Vorsprechers, der die Abfolge verwechselt hat), anerkennendes Gekreische, als Michelle Obama in ihrem Golddress auftaucht, vereinzelte Buhrufe bei Bush. Alles in allem: gelöst, locker, entspannt. 

4. Was ich bin: Habe mich unglaublich europäisch gefühlt, distanziert, eine recht ungerührte Betrachterin.