Der Asphalt ruft …

14. Februar 2009

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… und mir kommen dauernd diese Zeilen in den Sinn:

Davy’s on the road again
Wearin‘ different clothes again
Davy’s turning handouts down
To keep his pockets clean
Sayin‘ his goodbyes again
Wheels are in his eyes again …

Wer es wieder einmal in voller Länge hören möchte, hier eine etwas verzerrte, aber, wie ich finde, ziemlich coole Aufnahme von 1983, mitgeschnitten in Budapest (waren wir nicht alle so? Doch, ich glaube, so waren wir).

Ich auf alle Fälle mache mich bald auf den Weg, verlasse Savannah, bedanke mich herzlich bei Imke Lass (die mir hier wirklich jede Türe geöffnet hat), bei allen Leserinnen und Lesern, den Kommentatoren und Kommentatorinnen (bei euch ganz besonders!), die mich begleitet haben. Es war wunderbar mit euch. Kommt her und schaut sie euch an, diese bezaubernde Stadt, Savannah, ma belle.

Goodbye.

Zora’s on the road again …

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Krise

13. Februar 2009

Was verbindet diese Häuser?

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Das hier:

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Die Krise, so richtig existentiell ist sie für die meisten von uns noch nicht, ich meine, RICHTIG existentiell? Denn zur Not gibt es ja den Staat, der für das Gröbste sorgt.

Hier nicht. Und hier ist die Krise so fassbar, dass es unfassbar ist. In den sieben Wochen, die ich in Savannah bin, haben sich die „For Sale“-Schilder in beängstigendem Ausmaß vermehrt. In meiner Lieblingsstraße steht jedes sechste Haus zum Verkauf. An jedem der Squares im Historic District sind es zwei, wenn nicht drei. Aber auch in den normalen Wohnbezirken, den wohlhabenderen mehr noch als den ganz armen, leuchten die Schilder, eines neben dem anderen, die Makler (auf deren Homepages man sich Stunden aufhalten kann, Stunden!) bleiben auf ihren Objekten sitzen, es sollen schon Makler pleite gegangen sein. Denn kaufen, das will und kann im Moment keiner. Obama stimmt die Amerikaner im Fernsehen ohne Unterlass darauf ein, dass dies erst der Anfang der Krise sei.

Man kann schrecklicherweise im Internet nachgucken, ob das Haus des Nachbarn zwangsversteigert wird. Die Rate der Verpfändungen ist im letzten Jahr um 81 % gestiegen und es soll so weitergehen. Obama wird wohl Recht behalten. 

Quiz

12. Februar 2009

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1. Frage: wem gehört das Auto mit diesem Kennzeichen?

2. Frage: was bedeutet „Pfüdi“ (die Deutschen sollen raten, die Schweizer dürfen dann aufklären – falls sie es können)?

Satanisches Gebrüll

11. Februar 2009

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Das Bild ist unscharf und sowieso verrutscht, das bitte ich zu entschuldigen. Es ging aber alles so schnell, dass ich froh war, ihn überhaupt noch zu erwischen. Ihn, den Satansaustreiber, der so laut schreiend durch die Straßen geht, Tag für Tag, dass einem ganz anders wird, das Gebrüll ist schon aus der Ferne zu hören. Ich hatte ihn direkt vor mir stehen, ein alter Mann mit starrem Blick, besessen von seiner Angst vor dem Teufel, besessen von seiner Mission. Seine Schreie scheinen direkt aus den Tiefen der Hölle zu kommen und verhallen traurig, irr und letztlich ungehört in dieser, unserer Welt. 

Kleine Träume

10. Februar 2009

Ein Haus steht zum Verkauf, das ist nichts Ungewöhnliches, davon gibt es in Savannah viele und täglich werden es mehr. Doch dieses hier ist ein Bed & Breakfast, zwar nicht ganz mein Stil, dennoch hübsch, zentral gelegen, aber nicht zu zentral. Ich schleiche drumherum, spähe durch die Scheiben, stelle mir vor, was ich täte in einer anderen Existenz, in meinem neuen Leben als Puffmutter, Gastgeberin, Hotelbesitzerin, die ich doch gerne wäre. Vielleicht fände sich ja noch ein passenderes Haus, ein strengeres, geräumigeres. Es gäbe darin zufrieden schwatzende Papageien, befreit aus der Einsamkeit enger Käfige, es hätte ein Lesezimmer, so still wie jenes im Hotel Waldhaus in Sils Maria, natürlich fänden spiritistische Sitzungen statt dann und wann, denn das Geisterleben ist aktiv im Süden, es hätte ein dunkles Zimmer mit blauen Tapisserien und einem großen Tisch aus nahezu schwarzem Holz und schweren Stühlen für gediegene Mahle, es gäbe ein gülden-weißes kleines Café, köstliche Vermisselles und Canapées, ein paar steinerne Bänke im Garten unter duftenden Magnolien, geheime Zimmer und Durchgänge nur für Eingeweihte und nachmittags die starken Drinks auf der Veranda unter rauschenden Ventilatoren, es gäbe einen eleganten Kellner oder auch zwei, in schmal geschnittenen schwarzen Anzügen, ach, und es kämen nur charmante und gebildete Gäste mit einem Hang zur Dekadenz, gar Subversion. Es wäre nicht kitschig, sondern reduziert, es wäre dennoch gemütlich, aber man könnte darin atmen. Es wäre, nun ja, die Casa del Buono halt…

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Zahlensalat

9. Februar 2009

Eine Studie (Miller/Scott/Okamoto) hat in 32 Ländern untersucht, wie hoch jeweils die Akzeptanz der Evolutionstheorie ist. Mit Ausnahme der Türkei konnten die Wissenschaftler in muslimischen Ländern keine zuverlässigen Zahlen evaluieren, auch Afrika lag aus methodischen Gründen nicht in ihrem Feld. 

An oberster Stelle der so genannten Darwinakzeptanz steht Dänemark, an vorletzer Stelle die USA, gefolgt nur noch von der Türkei. Ein paar Beispiele: 

Dänemark 82 %
Frankreich, Island 80 %
Japan 78 %
Deutschland 72 %
China, England 70 %
Italien, Schweiz, Holland 63 %
Polen 52 %
USA 36 %
Türkei 28 %

Die konkreteste Frage zu Gott und der Evolution wurde in den USA folgendermaßen beanwortet: 

„Human beings were created by God as whole persons and did not evolve from earlier forms of life.“

True: 62%     Not sure: 2%     False: 36%

Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: In keinem anderen Land ist eine einflussreiche politische Partei so eng mit dem Kreationismus verbunden, wie die Republikaner in den USA. 

Eine fünf Jahre alte Studie hat sich an drei muslimische Länder gewagt. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass 13 % Malaien, 14 % Pakistani und 8 % Ägypter die Evolutionslehre unterstützen. Das Argument der Gegner: gäbe es die Evolution, stünde über sie im Koran geschrieben. 

That’s why….

8. Februar 2009

….. i like America.

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Surprise!

7. Februar 2009

Liebe Leute, jetzt möchte ich euch unbedingt auf eine Kommentatorin aufmerksam machen. Schaut mal unter „Kann ich, soll ich…“, wer mir heute geschrieben hat. Wunderwelt Internet (und ich muss nicht bei Fremden klingeln). 

Nöd so grob!

7. Februar 2009

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Man möge mir verzeihen, dass ich dauernd über Spaziergänge schreibe. Aber der heutige war nicht ohne. Eine halbe Stunde außerhalb der Stadt liegt ein herrliches Naturschutzgebiet. Wenn sie eines gut können, die Amerikaner, dann die Natur für den Menschen erlebbar machen, wie hier im Skidaway State Park. Es ist nicht nur ein bisschen einsam da, sondern sehr einsam, so einsam, dass ich bei knacksenden Geräuschen zusammenzucke und auf das Schlimmste gefasst bin, eine Waffe vor dem Gesicht zum Beispiel (man hat ja doch viele amerikanische Filme gesehen im Laufe eines Lebens). Auf dem anderthalbstündigen Spaziergang treffe ich NIE jemanden. Heute schon. Von weitem sehe ich einen Kampfhundmischling, dahinter eine hochgewachsene Gestalt. Ich nehme Lino an die Leine, die Gestalt nimmt ihr Tier an die Leine. Sie kommen näher, es ist eine kurzhaarige Frau Mitte fünfzig. Ihre Hündin will spielen. Lino will spielen. Ich lasse den Zwerg los, ein wenig bang ist mir, der Kampfhundmischling hat einen sehr breiten Schädel, Linos Köpfchen würde dreimal reinpassen. Die Hunde werden immer wilder, das schwarze Tier springt voller Vergnügen auf Lino drauf. Der quitscht. Dann entspinnt sich folgender Dialog:

Ich (zu der Hündin): „Nöd so grob, Mäitli.“ 

Die Frau (zu der Hündin): „Sig ächli ä fiini.“

Ich: „Nei! Sind Sie us Züri?“

Sie: „Ja, Sie au?“

Ich: „Sind Sie diä Frau mit dä Faahne dusse?“

Sie: „Nei, das sind diä anderä.“

Ich: „Weli anderä?“

Sie: „Das isch diä mit äm amerikanische Maa.“

Wir sehen, ich nähere mich der Sache mit dem Porsche langsam an. 

Survival Tip

5. Februar 2009

 

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Ich gehe ja sehr gerne in den Sümpfen rund um Fort Pulaski spazieren. Meine Vermieterin warnte mich gestern einmal mehr vor den Alligatoren. Sie gab mir aber auch den ultimativen Tipp, was zu tun ist, wenn ein Alligator auf einen zugeschossen kommt (sie sind offenbar sehr, sehr schnell): Zickzack laufen! Das verstehen sie nämlich nicht, die Tiere. Und bleiben dann enttäuscht stehen. Stellt sich nur die Frage: wie erkläre ich   es Topolino?

Kann ich, soll ich …

4. Februar 2009

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…. einfach mal klingeln und gucken, wer sich dahinter verbirgt? Ich meine, Schweizer Fahne UND Porsche, das ist schon bemerkenswert (wobei… vielleicht wäre Schweizer Fahne OHNE Porsche noch bemerkenswerter). Und das in Savannah!

Zwei Deutsche habe ich bislang per Zufall kennengelernt, die eine ist mit 15 mit der „Mutti vom Vati aus Heidelberg abgehauen“ und arbeitet in einer Bar in Downtown. Die andere ist Angestellte in meinem Lieblingssupermarkt, eine ältere Frau, die wegen ihres Army-Gatten (in Frankfurt kennengelernt) „schon viel zu lange“ hier wohnt und mir gezeigt hat, wo die Haferflocken stehen, deren englischen Ausdruck (Oats) ich leider nicht kannte. Weil die hier aber so hilfsbereit sind, hat der Filialleiter die Deutsche aus der Zigarettenpause geholt, um mein kleines Problem zu lösen, denn selbst die Erläuterung, dass Porridge aus Haferflocken zubereitet würde, hatte weder bei ihm noch bei zwei Kundinnen zu einer Antwort geführt – Porridge wird als Instant-Gericht verkauft. 

Deutsche gibt es womöglich noch einige mehr, aber Schweizer (zudem solche, die eine Flagge raushängen)? Also… soll ich? 

Groundhog Day

2. Februar 2009

Heute ist Groundhog Day, Murmeltiertag also. Seit 1887 wird am 2. Februar ein Murmeltier aus seiner Höhle in einem Wald bei Punxsutawney in Pennsylvania gelockt (um genau zu sein: es wird mit Stockschlägen auf seinen Bau aus seinem Winterschlaf geweckt). Wenn Phil, so heißt das Tier seit 122 Jahren (und die Bewohner sind sich sicher: es ist immer das selbe), seinen eigenen Schatten sieht, geht der Winter noch sechs Wochen weiter. Sieht er seinen Schatten nicht, steht der Frühling schon vor der Tür. 30.000 Menschen reisen alljährlich zu diesem Anlass nach Punxsutawney (der seltsame Name bedeutet Ort der Mücken, ist indianischen Ursprungs), und man schwört, Phils Wettervorhersage sei die einzig zuverlässige weltweit.

Die schlechte Nachricht ist: Phil hat heute seinen Schatten gesehen.        

Die gute Nachricht ist: Das verschreckte Tier darf weiterschlafen. 

Sentimenti II (fag hag)

2. Februar 2009

Hiermit erlaube ich mir eine kleine, private Sentimentalität, die mit Amerika überhaupt nichts zu tun hat:

Grüne Gerechtigkeit

1. Februar 2009

Vielleicht muss einmal gesagt werden, warum Savannah eigentlich als eine der schönsten Städte Amerikas gilt. Es liegt an dem englischen Adeligen James Oglethorpe, dessen nahezu revolutionären Idealen – und wie er es geschafft hat, sie städtebaulich umzusetzen.

1733 nämlich gründete er mit einer Schiffsladung Gescheiterter die 13. Kolonie der englischen Krone, Georgia. Seine 114 Mannen hatten Schulden, so schlimme Schulden, dass man sie aus dem Mutterland entfernte und nach Übersee verfrachtete, wo sie ihr Scheitern abarbeiten konnten. Die Idee Oglethorpes, allen Männern gleich große Grundstücke zuzuteilen, um ihnen die selben Startchancen zu geben, mündete in dem heutigen schachbrettartigen Stadtmuster. Da, so Oglethorpes lobenswerte gedankliche Leistung, alle Bewohner das Recht auf Grünflächen haben, entwarf er am Reißbrett eine Stadt, die von 24 öffentlichen Squares, quadratischen Parks also, durchzogen war. Heute ist Savannah dank dieser üppigen Juwele noch entschleunigter als eh schon (was eigentlich gar nicht möglich ist), denn auf jeden der Parks führt in beiden Richtungen eine Straße zu und dann um ihn herum. Man zuckelt also im Auto andauernd um die unterschiedlich gestalteten Squares, die wie Schatten spendende Kissen und Wohlfühlzonen in der Innenstadt verteilt sind. 

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Das mit der Gleichberechtigung hat allerdings nicht sehr lange gehalten. Grundstücke wurden zusammengelegt, mächtige Villen gebaut, die großartigsten Häuser thronen selbstverständlich an den Miniaturparks. Ich wohne übrigens auch an einem Square. Und das ist mein Ausblick: 

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Überfall

30. Januar 2009

In der Wohnung unter mir sind übers Wochenende 20 männliche Jugendliche aus einer Kleinstadt nördlich von Atlanta eingefallen, ein Bus hat sie ausgespuckt; sie tragen ordentliche Kleider, sind freundlich, einige davon recht dick. Die Wohnung hat, genau wie meine, drei Zimmer, die sind zwar groß und es stehen eine Menge Betten rum.

Aber: 20 pubertierende Jungs!

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Sowieso ist die ganze Innenstadt voll mit ihnen. Sie singen. In der Kirche natürlich. Ich habe sie üben gehört, es ist ein munterer, glockenheller Kirchenjugendgesangswettbewerb. Das mit Gott und Amerika ist schon eine eigentümliche Sache (da fällt mir ein: ich muss mich dringend um die Church-of-the-Flying-Spaghetti-Monster-Aufkleber kümmern). 

Savannah hat rund 128.000 Einwohner und folgende Kirchen:

6 Apostolic Churches, 6 Assembly of God, 138 Baptist Churches, 1 Bible Church, 2 Calvary Churches, 10 Catholic Churches, 6 Christian Churches, 16 Churches of Christ, 24 Churches of God, 1 Congregational, 9 Episcopal, 10 Lutheran Churches, 35 Methodist Churches, 3 Nazarene Churches, 28 Non-Denominational, 1 Orthodox Church, 2 Pentecoastal, 16 Presbyterian, 3 Sevent Day Adventist, 1 Vineyard Church, 21 Other Churches

Wenn man bedenkt, dass es 10 katholische Kirchen und 329 in irgendeiner Form geartete protestantische und evangelikale Kirchen gibt, kann man nur sagen: die Protestanten waren verdammt fleißig. 

P.S. Kann mir jemand erklären, was eine Vineyard Church ist?